Das projektONETTI ist als Hommage dem uruguayischen Schriftsteller Juan Carlos Onetti zum 100. Geburtstag gewidmet. Ein internationales Team hat sich mit dem Werk Onettis auseinandergesetzt, der als Wegbereiter der lateinamerikanischen Moderne gilt. In der fiktiven Stadt Santa María begegnen sich Menschen, kommen sich aber nie wirklich nahe. Das Leben ist von Ritualen ohne Inhalt geprägt, von fruchtlosen Bemühungen und dem Scheitern des Einzelnen. Ein Abend, in dem Moderne Literatur, Neue Musik, Tanztheater und Videoinstallation zusammenfinden, zwischen Nationen und Zeiten, zwischen Fiktion und Wirklichkeit und der Wirklichkeit als konstruierter Fiktion der Wiederholung des ewig Gleichen.

Ästhetisches Ziel ist die Entwicklung einer Theaterform, in der Moderne Literatur, neue Musik, Tanztheater und Videoinstallation zusammenfinden. Mit dem Fokus auf die Literatur sollen Übergänge /Zonen zwischen den ästhetischen Sprachen austariert werden. Sprache wird hier als theatralische Form durch die Begegnung mit Musik, Tanz und Bildraum erfahrbar und auf interaktive Weise dem Publikum nahegebracht.

Ziel ist ebenfalls die Bekanntmachung eines Wegbereiters der lateinamerikanischen modernen Literatur in Deutschland sowie die Förderung der Beziehungen zwischen Berlin und Montevideo, Deutschland und Uruguay.
Der Uruguayer Juan Carlos Onetti (1909 – 1994) lebte die meiste Zeit seines Lebens abwechselnd in seiner Heimat und in Buenos Aires und arbeitete hauptsächlich als Redakteur, später als Bibliothekar, bis er schließlich vor der Diktatur nach Spanien floh, wo er auch starb.
Sein Erstling „Der Schacht" aus dem Jahr 1939, mit deutlichen Anklängen an William Faulkner und den Existentialismus, gilt unter Kritikern als der erste moderne Roman Südamerikas.
1962 gewann er den Premio Nacional de Literatura von Uruguay. Am 16. November 1980 wurde ihm der Cervantespreis zugesprochen, die bedeutendste Literaturauszeichnung der spanischsprachigen Welt. 1985 erhielt er den Gran Premio Nacional de Literatura von Uruguay und 1990 den Premio de la Unión Latina de Literatura.

Beinahe allen Romanen und Erzählungen Onettis ist gemeinsam, daß sie vor dem Hintergrund der fiktiven Stadt Santa María (Montevideo) spielen. Sie wurde zunächst von Juan Maria Brausen – dem Protagonisten von „Das kurze Leben" – für sein Drehbuch erdacht, ist also eine Fiktion innerhalb der Fiktion, die für die Einwohner Santa Marías einen realen Schauplatz darstellt. Konsequenterweise gilt Brausen ihnen als Gründer ihrer Stadt. Onetti schreibt von den in Santa María Gestrandeten Menschen, die per se Abbilder des „modernen Menschen" geben können. Die Personen begegnen einander zwar, kommen sich aber nie wirklich nahe, können sich nie wirklich erreichen. So ist das Leben in Onettis Werk von Ritualen ohne Inhalt bestimmt, von fruchtlosen Bemühungen und dem Scheitern des Einzelnen.

Das projektONETTI hat vor, die fiktive Stadt Santa María mit ihren „modernen Menschen" modellhaft mit den Mitteln der Projektion und der Bewegung auf die Bühne zu bringen.
Mit drei Tänzern (2D, 1H) sollen in einem Videokubus die Rituale des Alltags, Verwicklungen, die müden Hoffnungen, sich wiederholende Affären, das Straßenleben der Stadt Santa Maria und die aneinander krankenden Beziehungsgeschichten realisiert werden - über Tanz, Sprache, Klangkomposition, Video und dem Spiel mit den Zwischenräumen.
In einem beweglichen Raum, der zugleich Videokubus, Boxring und offenes Podium ist, wird das Zusammenprallen von Sprache, Körpern und Bilderwelten realisiert.
Dabei gibt es IN und OUT -Zonen, zwischen denen sich die Darsteller bewegen. So wird das Ein- und Abtauchen zwischen der Fiktion/Projektionsebene und der Außenwelt/ Publikum möglich.
Onettis literarischer Kosmos soll, ins Haptische übersetzt, theatralisch erfahrbar werden.